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Kyborg Publishing | ISSN: 2366-3839

Finnland - und wieso das bedingungslose Grundeinkommen die Freiheit der Menschen fördern würde.

von Tobias O. R. Alke (Kommentare: 0)

Bedingungsloses Grundeinkommen.

Vor kurzem ist ein Artikel bei n-tv.de zum bedingungslosen Grundeinkommen erschienen, der erste Erfolge dieses Testprojektes in Finnland veröffentlicht.
Unter diesen 2000 Testpersonen in Finnland haben einige schneller wieder einen Beruf gefunden und vor allem konnten Sie sich Zeit nehmen Umschulungen in ihrem Interessenbereich durchzuführen, ohne von Bürokraten reglementiert zu werden und Verbote zu erhalten, in Form von verweigerten Fördergeldern, oder dem Verbot das eigene Geld für solche Maßnahmen auszugeben. 

Damit verbunden ist eine starke Reduzierung des bürokratischen Apparates. Menschen die bisher nicht in der Lage waren ihre pflegebedürftigen Verwandten zu versorgen, haben nun eine bedeutende Entlastung erfahren und fühlen sich gleichzeitig wieder von der Gesellschaft angenommen.

Viel wichtiger ist jedoch nach meiner Auffassung der Punkt, dass der Mensch aufgrund schwerer Umstände nicht noch weiter entmündigt wird, wie es allgemein üblich ist. Menschen am Existenzminimum werden von den vorherrschenden Systemen wie unfähige Invaliden oder Kinder behandelt und der große Kindergartenbetreuer muss jetzt jedem sagen was er zu tun und zu lassen hat. Völlig egal ob dieser „bürokratische Lehrer“ die Bedürfnisse seiner „Unterworfenen“ versteht oder nicht! Schließlich muss er darauf achten, daß Gelder nicht verschwendet werden, und da der hilfsbedürftige Mensch nach seiner Ansicht seine Fähigkeit zum gesellschaftlichen Umgang verwirkt hat, gilt er als unfähig und wird nicht mehr ernst genommen.

An dieser Stelle entsteht in wahrstem Sinne des Wortes „soziales Gift“, wenn Menschen sich durch institutionelle Reglementierungen in unverhältnismäßig großem Umfang über die Bedürfnisse und Fähigkeiten anderer stellen. Hier stellt sich der Beamte über den Notdürftigen am Existenzminimum. Die GRAMEEN Bank hat dieses Problem ebenfalls erkannt und versucht dieses sogar privatfinanziert und nach Aufstellung einiger Regeln mit den betreuten Menschen durch Mikrokredite zu lösen und hat damit eine rund 99%ige Rücklaufquote dieser Mikrokredite. Wird ein Kredit einmal nicht zurück gezahlt, wird auch nicht gleich der Anwalt mit der Enteignung des Menschen beauftragt wie es bei Großbanken üblich und vom Staate her abgesegnet ist. Dieser Mensch erhält in Zukunft einfach keinen Kredit mehr, außer er kann den ersten zurück zahlen, oder findet andere Wege um sich unter Beweis zu stellen. Wirklich fallen gelassen wird bei der GRAMEEN Bank niemand.

- Rezension: GRAMEEN. Eine Bank für die Armen der Welt von Muhammad Yunus & Alan Jolis
- Essay: Tauschen statt Schenken und das Moment der Eigeninitiative

Was würden wir also verlieren, würde jeder Mensch ein bedingungsloses Grundeinkommen, das unabhängig und von allen weiteren Verdiensten von der Steuer befreit ist und absolut den Grundbedürfnissen der Menschen zur Verfügung steht?

Zuerst einmal wären Menschen am Existenzminimum nicht mehr dazu gezwungen jeden Job anzunehmen nur um zu überleben, obwohl sie hier ausgebeutet werden oder sich dort so fühlen. Ein solches Gefühl der Ausbeutung entsteht auch, wenn ein Mensch dazu gezwungen ist Tätigkeiten auszuüben, die allen seinen Werten widersprechen, seinem Wunsch zu leben. Ergo ist die Motivation über kurz oder lang im Keller, die reduzierte Aufmerksamkeit hat eine schlechtere Arbeitsqualität zur Folge und chronische Krankheiten lassen nicht lange auf sich warten, was vor allem die Pharmaindustrie, das seit der Jahrtausendwende eingeführte fallbasierte Krankensystem und Therapeuten unterschiedlichster Art freut. Die restliche Wirtschaft leidet unter mangelhafter Arbeitsmoral und -qualität.

Außerdem werden notwendige Umschulungen durch die vergeudete Zeit des Menschen verhindert, was heute stark im Bereich der Informationstechnologien der Fall ist, wie der Artikel selbst beschreibt. Bedenken wir, wieviel Zeit bei Behördengängen vergeudet wird! Alleine das flächendeckende Verständnis um diese EDV-Technologien, grade vor dem Hintergrund von IoT (Internet of Things), würde der Wirtschaft langfristig große Vorteile in Form von verfügbaren Arbeitskräften und Querdenkern ermöglichen, insbesondere da die herkömmliche staatliche Ausbildung in diesem Bereich praktisch nicht in der Lage ist mit dem schnellen Wandel im Bereich Informatik Schritt zu halten. Tech-Konzerne und viele andere Industriezweige beklagen regelmäßig die mangelhaften Bildungsstände von Hochschulabsolventen, grade in diesem Bereich, und verlassen sich lieber auf selbständig Lernende, die sich Schlüsseltechnologien selber beigebracht haben, die also freiwillig und selbständig lernen. Ein Mensch der nur ums überleben kämpft, hat gar nicht erst die Möglichkeit, sich in solchem Umfang um seine Weiterbildung zu kümmern. So lassen sich Menschen am Existenzminimum notgedrungen ausbeuten, zum Profit einzelner Industriezweige, während in anderen Industriezweigen hunderttausende Arbeitskräfte fehlen, die sich bereits durch Schulungsmaßnahmen von zuhause aus fortbilden könnten, sogar für relativ wenig Geld, nimmt man die heutigen Möglichkeiten erst einmal richtig zur Kenntnis.

Auch das Pflegesystem würde deutlich entlastet werden, da Familien ihren Zwang zur Fremdarbeit reduzieren könnten, um sich mehr um ihre pflegebedürftigen Verwandten zu kümmern, und Familien mit Kindern könnten zum Wohle der Erziehung ihrer Kinder ohne größere Einschränkungen auf Teilzeitarbeit wechseln, um sich der Entwicklung Ihrer Kinder zu widmen, der Zukunft unserer globalen Gesellschaft!

Was früher durch das „Ernährer-Model“ (also den arbeitenden Vater und die Frau im Haushalt) realisiert wurde, könnte heute durch das bedingungslose Grundeinkommen und zwei Teilzeitarbeitende Elternteile realisiert werden. Da immer mehr Prozesse in der Arbeitswelt automatisiert werden, müsste die Industrie nicht einmal größere Einschnitte hinnehmen und wäre im Gegenteil sogar dazu angehalten mehr in Entwicklung und Optimierung zu investieren und nicht wie in Deutschland üblich sich auf gewonnen wirtschaftlichen Erfolgen auszuruhen. Deutschland ist dabei, den Anschluss an neue technologische Entwicklungen zu verlieren (bspw. die Glasfaserinfrastruktur in Deutschland, deren derzeitige „Nicht-Existenz“ die gesamte Informationstechnologische Entwicklung und Fortbildung in Deutschland behindert). Es wären Schritte zum Wohle der langfristigen Wirtschaftlichkeit und der Arbeitsmoral seiner Basis, seiner Arbeitskräfte, dem Fundament auf dem jedes Unternehmen aufgebaut ist, und nicht von Quartalsbilanzen die nur dem Lottospiel der Börsen dienen.

Und Menschen, deren Grundbedürfnisse versorgt sind, werden über kurz oder lang freiwillig nach einer Beschäftigung suchen, um irgend einer Tätigkeit nachzugehen. „Freiwillige Langeweile“ hält niemand lange aus. Der Mensch ist nicht dafür geschaffen nur herum zu sitzen oder sinnlosen Beschäftigungen nachzugehen! Mit der Zeit würde jeder einer irgendwie gearteten Tätigkeit nachgehen, freiwillig, ganz ohne Zwänge, also mit einer erheblich größeren Arbeitsmoral und -Motivation.

Damit verbunden wäre eine starke soziale Entspannung, was die Notwendigkeit von Sicherheitspersonal und Überwachung der Arbeitslosen reduzieren würde, und die Menschen könnten sich auch ihrer geistigen und spirituellen Entwicklung intensiver widmen. Die frei werdenden Bürokraten könnten an anderen Stellen im sozialen System geeignete Jobs finden. Auch die Integrationsarbeit wäre leichter realisierbar und das Engagement in ehrenamtlichen Bereichen wäre keine so große Belastung mehr für die Gesellschaft.

Die „Win-win-Situation“ wie im n-tv Artikel durch Mika Rusuunen mitgeteilt, würde nicht lange auf sich warten lassen. Lediglich das ausbeuterische System und der soziale Leerlauf würde nach und nach verschwinden und einem sozial gerechteren und langfristig wirtschaftlicheren System weichen. 

Wer erkennt, das es keine Mängel gibt, wird erkennen, dass für jeden Menschen genügend da ist.
Erst mit dieser Erkenntnis, erreichen wir wahre Freiheit. 

Herzliche Grüße,
Tobias Alke

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Tobias O. R. Alke, M.A. Soziologe / Dipl. SSL

Spiritueller Seminarleiter für Autogenes Training, Psychokybernetik und Energytraining am Kyborg Institut | Studium der Soziologie (Universität Heidelberg - Zivilgesellschaft, Ethik, Nächstenliebe/Altruismus, Leadership, Emotionen, Vertrauen, Management, Personalentwicklung) ... >> Mehr zum Autor <<